Winterthurer Première des Filmes RUHE (1972) im Kino Cameo – mit FilmprotagonistInnen als Gäste

Winterthurer Première des Filmes RUHE (1972) im Kino Cameo – mit FilmprotagonistInnen als Gäste

Die Vorstellung im Kino Cameo vom Sonntag, 18. Februar 2024 war etwas ganz Besonderes:
mehrere der einstmals bewegten Protagonistinnen und Protagonisten waren anwesend und sahen den Film auch zum ersten Mal.

Es sind dies Rut Föhn, Hans-Ruedi Müller, Hartmut Frank und Max Bossard aus dem ehemaligen ETH-Experimentierkurs von Jörn Janssen, welche 1972 die brillante Studie „Göhnerswil – Wohnungsbau im Kapitalismus“ verfasst haben sowie Erwin Berger von der damaligen Lehrlingsgewerkschaft Winterthur.
Sie trugen zu einer spannenden Diskussion bei.

Elena M. Fischli (Hrsg.) und die Historikerin Verena Rothenbühler führten in das Buch und den Film ein.

Special Karl Saurer im Kino Rex Bern – 10. Dezember 2023

Special Karl Saurer im Kino Rex Bern – 10. Dezember 2023

Buchpräsentation „Filme für den kreativen Widerstand“ und RUHE

im Kino Rex Bern

mit Elena M. Fischli (Hrsg.), Thomas Pfister (Mitautor) und Jo Lang (Historiker)

Das Buch möchte als ermutigendes Beispiel gelesen werden können, wie trotz vieler Hürden und Hindernissen immer die Freiheit der Wahl besteht, sich mutig, kritisch und kreativ einzusetzen, wenn es um Menschlichkeit, Gerechtigkeit, den Schutz von Lebensgrundlagen und um wahre Demokratie geht.
Elena M. Fischli

Diese sozialkritischen Filme wurden auf Augenhöhe mit den Menschen erschaffen. Er nahm sie wahr und nahm sie ernst, auf ebenso natürliche wie respektvolle Weise. Es sind feine, komplexe Gebilde, die zum Denken anregen und gleichzeitig emotional berühren.
Thomas Pfister

Ruhe – dieser Film ist eine geballte Ladung! Inhaltlich sehr vielfältig, sehr differenziert! Er widerlegt viele Vorurteile, die über die damalige 68-er Bewegung kursieren.
Jo Lang

Unten geht es zur Aufzeichnung in ganzer Länge.
Drei spannende Einsichten – mit dem erschütternde Zeugnis Jo Langs über eine Doppelmoral: die einschneidende Repression durch einen jahrelang massiv sexuell missbrauchenden Priester-Präfekten.

Special Karl Saurer Aufzeichnung der Vorstellung vom 10.12.23 mit Einführungen von Elena M. Fischli, Thomas Pfister und Jo Lang.
Referentinnen, Referenten und Publikum: „Was für ein wichtiges Zeitzeugnis!“

Referentinnen, Referenten und Publikum: „Was für ein wichtiges Zeitzeugnis!“

Inzwischen ist ein äusserst interessiertes Publikum in Einsiedeln, Schwyz, Luzern, Zug und Zürich mit dem Buch „Filme für den kreativen Widerstand. Zum Wirken Karl Saurers“ bekannt geworden.
Alle Buchtaufen fanden in Kinosälen statt, wurden sie doch jedesmal begleitet von der Erstprojektion des bislang unter Verschluss gehaltenen Frühwerks von Karl Saurer „Ruhe“. Es ist in Zusammenarbeit mit Hannes Meier und Gerhard Camenzind entstanden im Auftrag des Schweizer Fernsehens, dann aber aufgrund seiner kompromisslos kritischen Analyse nie ausgestrahlt worden – bis es heute endlich den Weg zu einem begeisterten Publikum findet. 

Die Politikerin Cécile Bühlmann, der Historiker Jakob Tanner und die auf Frauengeschichte der Schweiz spezialisierte Historikerin Elisabeth Joris führten in das brisante, einzigartige cineastische Zeugnis über Aufbruchs-Bewegungen anfangs der siebziger Jahre ein. Alle diese Bewegungen stellen ein Demokratie-Defizit zugunsten wirtschaftlicher Interessen fest. Und alle fordern grundlegende, aber sehr konkrete Neuerungen im politischen und soziokulturellen Bereich.

Cécile Bühlmann im Kino Cineboxx, Einsiedeln
Befreiende Frauenbewegung

Cécile Bühlmann betonte, wie befreiend sie damals die Kraft der Frauenbewegung erlebt hat, die nicht nur Gleichberechtigung forderte, sondern auch Schluss machen wollte mit einer repressiven „schwarzen“ Pädagogik – einer Pädagogik im Elternhaus und in der Schule, die auf Anpassung, Unterordnung und Verboten basierte. In den fünfzig Jahren seit der Entstehung des Films sei das Glas nun doch halb voll geworden mit einigen wichtigen Anliegen, die umgesetzt werden konnten.

Soziokultureller Aufbruch

Jakob Tanner verwies auf die vielfältigen Formen eines nicht nur politischen, sondern auch soziokulturellen Aufbruchs, der schon vor 1968 begonnen hatte und bis in die Mitte der Siebziger Jahre anhielt. Eines Aufbruchs, der sich verbunden fühlte mit grösseren, transnationalen Protest- und Befreiungsbewegungen, wie dem Protest gegen den Vietnamkrieg in den USA oder dem Kampf gegen Rassismus. 

Prof. em. Dr. Jakob Tanner im Kino Bourbaki, Luzern

Eines Aufbruchs auch, der viele Bereiche erfasste und beispielsweise auch Lehrlingsgewerkschaften entstehen liess oder mehr Mitbestimmung und Mitgestaltung in Bildungsbelangen einforderte.

Dr. Elisabeth Joris im Kino Riffraff in Zürich
Ruhe und Ordnung – und Repression

Elisabeth Joris schilderte eindrücklich, temperamentvoll und anhand konkreter Beispiele, wie repressiv noch bis in die achtziger Jahre „Ruhe und Ordnung“ als oberste Prinzipien gewaltet hatten und wie sehr von einer jungen Generation ein Ausbruch aus der Enge ersehnt wurde.

Dass nicht wenige Bürgerinnen und Bürger von direkten oder indirekten Berufsverboten betroffen waren, wenn sie sich kritisch gegen die hehre Militärpflicht äusserten oder sich gegen die fremdenfeindlichen Überfremdungsinitiativen engagierten.

Alle ReferentInnen erachten den Film als ein wertvolles Zeitdokument, das der Öffentlichkeit erhalten werden muss, weil es mit direkt Betroffenen eine breit gefächerte Neuerungsbewegung dokumentiert.